
Mit TikTok zurück in die Retroszene: Nezo startet Habbo.si
Mit Habbo.si wagt Nezo einen neuen Anlauf in der Retroszene. Dabei setzt er vor allem auf TikTok, um neue Spieler zu gewinnen. Doch was steckt hinter seiner Strategie und dem neuen Projekt?

Mit Habbo.si wagt Nezo einen neuen Anlauf in der Retroszene. Dabei setzt er vor allem auf TikTok, um neue Spieler zu gewinnen. Doch was steckt hinter seiner Strategie und dem neuen Projekt?
Drei Stunden lang lief sein TikTok-Livestream, ohne dass besonders viel passierte. Nezo wollte die Übertragung gerade beenden, als die Zuschauerzahlen plötzlich in die Höhe schossen. Erst 50, dann 100 und schließlich rund 250 Menschen verfolgten seinen Stream. Was ursprünglich als Versuch begann, sein damaliges Retrohotel Habbo.cm bekannter zu machen, zeigte ihm, welches Potenzial in der Plattform stecken könnte.
Mittlerweile liegt Habbo.cm hinter ihm. Nach internen Schwierigkeiten und der anschließenden Schließung des Hotels wagt Nezo mit Habbo.si einen Neuanfang. Am 1. November 2026 soll das neue Retrohotel eröffnen. Schon jetzt zählt sein TikTok-Account über 1.000 Follower und mehr als 12.000 Likes. Mit seiner Präsenz auf der Plattform versucht Nezo, neue Menschen für die mittlerweile überschaubare Retroszene zu begeistern.
Doch wie viel bringen Tausende Aufrufe und Likes tatsächlich, wenn es darum geht, ein Retrohotel langfristig mit Leben zu füllen? Im Gespräch mit HabboW erzählt Nezo, weshalb er Habbo.cm damals aufgab, was er diesmal anders machen möchte und warum er ausgerechnet TikTok als Chance für die Zukunft der Retroszene sieht.
Mit Habbo.cm hatte sich Nezo im vergangenen Jahr seinen Kindheitstraum vom eigenen Retrohotel erfüllt. Doch das Projekt nahm schließlich ein anderes Ende als erhofft. Gegenüber HabboW spricht er nun über die Hintergründe der damaligen Schließung.
Nach seinen Angaben kam es zu Schwierigkeiten mit einem ehemaligen Mitarbeiter und Vorfällen im administrativen Bereich des Hotels. Was genau geschehen ist, möchte Nezo nicht näher erläutern. Auch Namen will er bewusst nicht nennen, um alte Streitigkeiten nicht wieder aufleben zu lassen.
Hinzu kamen finanzielle Verpflichtungen aus gemeinsamen Marketingausgaben. Nezo erklärt, dass er dem betreffenden Mitarbeiter noch Geld schuldete, welches er trotz der Auseinandersetzungen vollständig zurückgezahlt habe. „Für mich sind Schulden Ehrenschulden, und zu seinen Verpflichtungen sollte man stehen“, betont er.
Die Ereignisse hätten ihn persönlich enttäuscht und ihm zunehmend die Motivation genommen, Habbo.cm weiterzuführen. „Irgendwann habe ich mich dazu entschieden, einen Schlussstrich zu ziehen, anstatt ein Projekt weiterzuführen, hinter dem ich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr mit voller Motivation stehen konnte“, erklärt Nezo rückblickend.
Aus dieser Zeit habe er vor allem gelernt, auch in schwierigen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren und Entscheidungen nicht vorschnell zu treffen. An seinem Führungsstil möchte er dennoch festhalten und seinen Mitarbeitern weiterhin Freiraum für eigene Entscheidungen geben. Verändert haben sich dagegen seine Erwartungen an das Projekt. Während er früher bestimmte Vorstellungen davon hatte, was er erreichen wollte, möchte er die Entwicklung von Habbo.si diesmal gelassener angehen und schauen, was sich gemeinsam mit der Community aufbauen lässt.
Mit Habbo.si möchte Nezo nicht einfach dort weitermachen, wo Habbo.cm aufgehört hat. Zwar greift das neue Hotel auf einige Ideen und technische Grundlagen seines Vorgängers zurück, gleichzeitig wurde das Projekt aber überarbeitet. Ein neues Content-Management-System (CMS) und ein neuer Client sollen die Grundlage für weitere Entwicklungen bilden.
Auch beim Spielerlebnis setzt Nezo auf eine Mischung aus bekannten Funktionen und neuen Möglichkeiten. Eine davon ist das RPG-System, mit dem Spieler verschiedene Rollen übernehmen können. So soll es beispielsweise möglich sein, eine Bank auszurauben oder als Polizist beziehungsweise Medic aktiv zu werden. Ergänzt wird das Angebot durch ein Pfandflaschen-System und weitere Funktionen, die den Hotelalltag abwechslungsreicher gestalten sollen.
Darüber hinaus spielt die Kommunikation zwischen den Nutzern eine wichtige Rolle. Bereits aus Habbo.cm bekannte Funktionen wie das Soundsystem und der Austausch von Bildern über den Messenger wurden übernommen. Zusätzlich sollen GIFs im öffentlichen Chat verschickt und eigene Bilder als Profilbild hochgeladen werden können. Auch die Homepage wird stärker in das Spielerlebnis eingebunden: Dort sollen Nutzer eigene Stories veröffentlichen können, ähnlich wie bei Instagram.
Bei all diesen Funktionen gehe es Nezo aber nicht nur darum, möglichst viele technische Neuerungen anzubieten. „Ich möchte mit Habbo.si einen Ort schaffen, an dem Menschen zusammenkommen, neue Freundschaften schließen, gemeinsam lachen und einfach eine schöne Zeit verbringen können“, erklärt er gegenüber HabboW. Das Hotel soll damit nicht nur Unterhaltung bieten, sondern auch an die Erinnerungen anknüpfen, die viele ehemalige Spieler mit Habbo verbinden.
Schon zu Zeiten von Habbo.cm beschäftigte sich Nezo mit der Frage, wie sich neue Spieler für ein Retrohotel gewinnen lassen. Dass die deutsche Retroszene längst nicht mehr die Größe früherer Jahre erreicht, war ihm dabei bewusst. Sich damit einfach abfinden wollte er allerdings nicht. „Irgendwann habe ich mir gesagt, dass es nichts bringt, sich einfach zurückzulehnen und zu behaupten, dass die Szene tot sei oder nichts mehr funktionieren würde“, erinnert er sich.
Stattdessen begann er, mit TikTok zu experimentieren und sein damaliges Hotel über Videos und Livestreams vorzustellen. Nachdem einer seiner Streams überraschend mehrere Hundert Zuschauer erreicht hatte, bemerkte Nezo auch auf seinem Discord-Server einen deutlichen Zuwachs. Nach eigenen Angaben zählte dieser zwischenzeitlich rund 700 Mitglieder, während sich teilweise bis zu 70 Personen gleichzeitig in den Sprachkanälen aufhielten.
Für Nezo war das eine wichtige Erfahrung. Er begann, sich intensiver mit der Plattform auseinanderzusetzen, unterschiedliche Inhalte auszuprobieren und herauszufinden, wie sich möglichst viele Interessierte erreichen lassen. Sein Account, der anfangs lediglich rund 100 Follower hatte, gewann zunehmend an Reichweite. Schließlich wurden seine Inhalte auch auf der sogenannten For-You-Page ausgespielt und erreichten damit ein größeres Publikum.
Diese Erfahrungen möchte Nezo nun für Habbo.si nutzen. Die regelmäßigen Veröffentlichungen und Livestreams sind inzwischen ein wichtiger Bestandteil seiner Werbung geworden. Dabei geht es ihm nach eigener Aussage nicht ausschließlich darum, möglichst hohe Followerzahlen zu erreichen. „Lieber habe ich Menschen, die sich wirklich für das Projekt interessieren, als hohe Zahlen, hinter denen am Ende kein echtes Interesse steckt“, erklärt er.
Hinter Nezos TikTok-Aktivitäten steckt mittlerweile mehr als das gelegentliche Veröffentlichen einzelner Videos. Nach eigenen Angaben versucht er, täglich ein bis zwei Beiträge hochzuladen und regelmäßig Livestreams zu veranstalten, die meist zwischen einer und drei Stunden dauern. Sowohl die Videos als auch die Übertragungen übernimmt er selbst. Welche Strategien er dabei genau verfolgt, möchte er allerdings nicht verraten. „Wie man so schön sagt: Auch ein Koch verrät nicht unbedingt seine eigenen Rezepte“, erklärt Nezo gegenüber HabboW.
Auch bezahlte Werbung hat er bereits ausprobiert, allerdings mit überschaubarem Erfolg. Deutlich bessere Ergebnisse habe er durch regelmäßige Livestreams und selbst erstellte Inhalte erzielt. „Wir setzen mittlerweile hauptsächlich auf organische Reichweite“, so Nezo. Anderen Hotelbetreibern empfiehlt er deshalb, sich zunächst intensiv mit der Plattform auseinanderzusetzen, statt direkt Geld in Werbung zu investieren.
Doch hohe Aufrufzahlen bedeuten nicht automatisch, dass sich die Zuschauer anschließend auch für das beworbene Hotel interessieren. Nezo erreicht nach eigenen Angaben sowohl ehemalige Habbo-Spieler als auch Menschen, die bislang keinerlei Berührungspunkte mit dem Spiel hatten. Gerade Letztere seien aufgrund der älteren Grafik schwieriger zu begeistern. Bei früheren Spielern könne dagegen die Nostalgie helfen, das Interesse erneut zu wecken.
„Nur weil jemand ein Video sieht, bedeutet das nicht automatisch, dass diese Person auch ins Hotel kommt“, erklärt er. Wie viele Interessierte tatsächlich durch TikTok gewonnen werden, versucht Nezo unter anderem anhand neuer Discord-Mitglieder während seiner Livestreams nachzuvollziehen. Zusätzlich würden seine Mitarbeiter neue Nutzer fragen, wie sie auf das Projekt aufmerksam geworden sind.
Konkrete Zahlen darüber, wie viele Zuschauer später tatsächlich zu aktiven Spielern werden, nennt er allerdings nicht. Für Nezo liegt die größere Herausforderung ohnehin darin, die gewonnenen Nutzer langfristig zu halten. „Neue Nutzer zu erreichen, ist also nur der erste Schritt. Langfristig kommt es darauf an, ihnen ein gutes Spielerlebnis zu bieten und eine Community aufzubauen, in der sie sich wohlfühlen und gerne Zeit verbringen.“
Die offizielle Eröffnung von Habbo.si ist für Sonntag, den 1. November 2026, geplant. Nach Angaben von Nezo befindet sich das Projekt bereits auf der Zielgeraden. In der bisherigen Entwicklung lag der Schwerpunkt vor allem auf dem neuen CMS und Client. „Wir sind mit den Vorbereitungen bereits sehr weit fortgeschritten“, erklärt er gegenüber HabboW. Bis zum Start müssten noch einige abschließende Arbeiten erledigt und zusätzliche Eventräume fertiggestellt werden.
Auch an einzelnen Funktionen wurde zuletzt gearbeitet. So habe es beim Voice-Chat zuvor Probleme gegeben, sobald sich mehrere Personen gleichzeitig in einem Sprachkanal aufhielten. Dieser Fehler sei inzwischen behoben worden. Darüber hinaus wurde der Messenger um eine Lesebestätigung erweitert, sodass Nutzer künftig erkennen können, ob ihre Nachrichten bereits gelesen wurden.
Weitere Neuerungen befinden sich noch in Planung. Dazu gehören unter anderem individuelle Profilrahmen, mit denen Spieler ihre Profilbilder gestalten können. Neben gewöhnlichen Rahmen sollen auch animierte Varianten zur Verfügung stehen. Welche weiteren Funktionen noch folgen könnten, möchte Nezo vorerst offenlassen. „Wir haben noch weitere Ideen und Entwicklungen in Planung, die ich zum jetzigen Zeitpunkt bewusst für mich behalten möchte.“
Zunächst steht jedoch die Eröffnung im Mittelpunkt. „Wenn alles nach Plan läuft, können wir am 1. November 2026 ganz entspannt und gemeinsam mit unserer Community starten“, so Nezo. Mit den geplanten Eventräumen und dem bisherigen Funktionsumfang möchte das Team den Spielern bereits zum Start verschiedene Beschäftigungsmöglichkeiten bieten.
Nezo sieht TikTok nicht nur als Werbeplattform für sein eigenes Hotel, sondern auch als Chance für die gesamte deutsche Retroszene. „Ich glaube, dass TikTok nicht nur für Retrohotels, sondern allgemein für Marketing langfristig ein wichtiger Bestandteil bleiben wird“, erklärt er gegenüber HabboW. Ähnliche Erfahrungen habe er bereits bei der Vermarktung eines eigenen RP-Servers gesammelt, bei dem ihm die Plattform ebenfalls geholfen habe, eine Community aufzubauen.
Gerade für kleinere Projekte sieht er darin großes Potenzial. „Man kann Menschen erreichen, die man über andere Wege vielleicht gar nicht erreichen würde, und ihnen zeigen, was hinter einem Retrohotel steckt“, so der Hotelbetreiber. Ob daraus tatsächlich neue Spieler entstehen, hänge seiner Ansicht nach aber auch davon ab, was die Hotels ihren Besuchern bieten.
Für Habbo.si möchte sich Nezo deshalb nicht allein auf Werbung verlassen. Regelmäßige Updates, neue Funktionen und die Wünsche der Community sollen auch nach der Eröffnung eine wichtige Rolle spielen. „Ich möchte nicht, dass Habbo.si einfach nur eröffnet und danach sich selbst überlassen wird“, betont er. Vielmehr wolle er das Hotel gemeinsam mit seinen Spielern weiterentwickeln und auf deren Rückmeldungen eingehen.
Ob Nezos Strategie aufgeht, wird sich erst nach der Eröffnung zeigen. Die bisherige Aufmerksamkeit auf TikTok könnte Habbo.si dabei helfen, bereits zum Start zahlreiche Interessierte zu erreichen. Entscheidend wird jedoch sein, wie viele von ihnen tatsächlich den Weg ins Hotel finden und anschließend auch dort bleiben. Gleichzeitig dürfte sich zeigen, ob soziale Medien tatsächlich einen Beitrag dazu leisten können, die deutsche Retroszene wieder für ein größeres Publikum interessant zu machen.

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